Was ist phantastische Kunst?

Schon Stanislaw Lem stöhnte in seinem Buch Phantastik und Futurologie, dass "eine Definition des Phantastischen zu geben, eine der schwersten Aufgaben ist, die man sich vorstellen kann", und benötigt ebenso wie Wieland Schmied in seinem großartigen Buch 200 Jahre Phantastische Kunst zehn Seiten für den "Versuch einer Annäherung". Zu vielschichtig ist die Problematik, zu verschwommen sind die Grenzen, als dass man mit wenigen Sätzen eine eindeutige Definition bieten könnte. So gehören ein fliegendes Krokodil, Blumenblüten, die sich in Vögel verwandeln, und Häuser mit Segel und Räder, die der Wind durch die Wüste bläst, zum Bereich des Phantastischen. Und wir sehen in dem vor 40 000 Jahren geschnitzten "Löwenmenschen" aus einer Höhle der Schwäbischen Alb oder in dem bizarren asiatischen Vogelmenschen "Garuda" phantastische Wesen, weil sie aus einer uns unverständlichen, zeitlich und örtlich fernen Kultur stammen, obwohl deren Schöpfer und dessen Umkreis an die reale Existenz dieser Wesen glaubten oder glauben.Jules Vernes utopische Bücher waren für viele Leser im vergangenen Jahrhundert phantastische Literatur, heute gehören Raketenflüge und andere damals phantastisch anmutende Erfindungen zum Alltag.